Möglichkeiten
Diagnose:
Ein plötzlicher Verschluss der Stimmbänder kann vielfältige Gründe haben. Es gibt nicht DIE Ursache. Häufig ist es ein Zusammenspiel von mehreren Faktoren, die zu einer VCD-Erkrankung führen. Eine eingehende Anamnese, in welcher der Patient/die Patientin die Vorgeschichte der Krankheit und die eigene Körperwahrnehmungen schildert, ist deshalb unabdingbar.
Um definitiv abzuklären, ob es sich um eine Stimmbandfehlfunktion handelt, ist ein Provokationstest unerlässlich. Die bisher einzige Möglichkeit einer Differenzialdiagnose liegt in einer Endospirometrie. Bei dieser Methode wird gleichzeitig eine Laryngoskopie durchgeführt und die Lungenfunktion gemessen. Idealerweise wird ein Anfall provoziert. Dies kann durch reizende Geruchstoffe oder körperliche Belastung geschehen. Die Untersuchung wird auf Video aufgezeichnet, um auch später noch nachvollziehen zu können, ob, wie und in welchem Stadium die Stimmbänder sich geschlossen haben. (Hört sich schlimmer an als es ist.)
Therapie:
Es ist sicherlich nicht einfach die Angst vor einen Anfall in den Griff zu bekommen und wieder Herrin über den eigenen Körper und die Stimmbänder zu werden - aber es kann gelingen. Nur weil es keine Medikamente dafür gibt, ist die Lage nicht aussichtslos.
Für die Behandlung einer Stimmbandfehlfunktion sind das Erlernen von speziellen Atemtechniken, Massagen zur Lockerung des Hals- und Schulterbereichs und Entspannung wichtig. Man muß das Atmen auch unter Belastung trainieren und sich einen bestimmten Atemstil auch im Alltag angewöhnen. Hilfreich können auch Psychotherapien sein. Nicht zuletzt ist häufig eine Änderung des Lebenstils nötig.
Was kann man tun, wenn die Anzeichen für eine VCD sprechen?
Es wird immer wieder von VCDlern berichtet, dass beim Besuch eines Arztes die Vermutung bzw. die Diagnose VCD gestellt wird. Nach Möglichkeiten der Therapie befragt, bekamen einige die Antwort damit leben zu müssen, Eisenkrautee oder einen Schluck kaltes Wasser zu trinken und nicht zu tief einzuamten. Im Einzelfall können solche Therapieanweisungen helfen. Es kommt darauf an welchem Leidendruck der Einzelne ausgesetzt ist. Manche habe einen praxadoxen Stimmbandverschluss nur einmal oder empfinden die Atemnot und die damit verbundene Angst als beherrschbar. Andere kommen aus der Angst und Panik, die ein solcher Anfall mit sich bringen kann, nicht mehr heraus. Andere haben so häufige Anfälle, dass an ein normales Leben nicht zu denken ist.
Da die Vocal Cord Dysfunction mit ähnlichen Atemnotanfällen wie denen des Asthmas einhergeht, haben Lungenfachärzte die meisten Kenntnisse darüber. Deshalb sollte bei Verdacht auf VCD der Weg zu einem Pneumologen einschlagen werden. Inzwischen ist die Aufklärungsarbeit über VCD soweit fortgeschritten, dass die meisten Pneumologen von dieser Erkrankung/ Symptom schon mal gehört haben. Leider bedeutet das aber nicht, dass sie auch darauf eingehen. Zunächst sollten alle Standarduntersuchungen gemacht werden um ein Asthma oder begleitendes Asthma auszutesten und gegebenenfalls auszuschliessen. Der Lungenfacharzt bzw. der behandelte Arzt muß entscheiden was weiterhin zu tun ist.
Aus eigener Erfahrung kann ich einen Rehaaufenthalt nur empfehlen. Eine intensive Therapie ist meiner Meinung nach der effektivste und schnellste Weg um mit der Atemnot umgehen zu lernen und die Stimmbänder wieder zu stabilisieren. Sicher ist es individuell sehr unterschiedlich wie jemand auf einen Klinikaufenthalt reagiert: Man ist weg aus der gewohnten Umgebung, daheim "läuft die Arbeit davon", man muß im Vorfeld verschiedenen Dinge organisieren und ist anfänglich ganz schön alleine. Im Grunde hat man nichts anderes zu tun, als sich um das eigene körperliche und seelische Wohlbefinden zu kümmern. Hört sich erstmal gut an - besonders für Menschen die sehr eingespannt sind.
Die Ruhe und die Zeit zum Nachdenken, kann aber auch dazu führen, dass man in ein ziemliches Loch fällt. Die ganze Situation und die möglichen Hintergründe kommen dann erst so richtig ins Bewußtsein. Da es gegen einen paradoxen Stimmbandverschluss keine Pille im eigentlichen Sinne gibt, sondern Atem- Sport- Physio- und evt. Psychotherapie die Mittel der Wahl sind, erfordert es eine Menge Eigeninitiative und Selbstbeobachtung um VCD wieder los zu werden. Auch ich habe mir am Anfang sehr schwer getan mich zurecht zu finden. Es hat eine ganze Zeit gedauert, bis ich das Angebot und die Sicherheit, die mir eine solche Umgebung bietet, für meine Genesung wirklich nutzen konnte.
Richtig aufwärts ging es bei mir, als ich endlich das Gefühl hatte, meine Stimmbänder gehören wieder zu mir und machen sich nicht einfach selbstständig. Die Tatsache, einen Anfall abfangen zu können und der Situation nicht hilflos ausgesetzt, war für mich der Wendepunkt. Erst dann konnte sich alles wieder beruhigt - sowohl meine Stimmbänder wie auch die ganze Marianne.
ICD-Nummer:
Erkrankungen müssen vom Arzt verschlüsselt werden. Hierfür gibt
es einen einen ICD-10-Diagnoseschlüssel. ICD bedeutet International
Classification of Diseases (WHO).
VCD hat den ICD-10-Schlüssel J 38.7.
J steht für Krankheiten der Atmungsorgane
38 steht für Sonstige Krankheiten der oberen Atemwege
/ Krankheiten der Stimmlippen und des Kehlkopfes / Sonstige Krankheiten des
Kehlkopfes
Quelle: ICD-10-Diagnosenthesaurus (S.17)