Aufsätze:

Menschen die unter einem paradoxen Stimmbandverschluß, kennen das Erlebnis der Atemnot und das Gefühl keine oder nicht mehr genug Luft zu bekommen. Der natürliche, selbstverständliche Vorgang des Atmens und Luftbekommens rückt mehr und mehr in unser Bewußtsein. Ein ständiges Kratzen, Kloßgefühl im Hals und häufig Heiserkeit macht überdeutlich klar, wo die Stimmbänder sitzen und daß irgendwas nicht stimmt.

Diese Seite soll Gelegenheit und Anregung dazu geben, Themen wie Atmen, Atem, Atmung und Stimme abstrakt zu betrachten. Jeder der sich zu diesen Themen äußern möchte ist eingeladen hat auf dieser Seite die Gelegenheit eigene Gedanken in Worte zu fassen und anderen zu Verfügung zu stellen. Es ist somit die Meinung der jeweiligen AutorInnen, die hier ihre Aufsätze veröffentlichen. Schicken Sie mir Ihren Aufsatz bitte per Email.

 

Die 10 Atmungs-Gebote

1. Du sollst nicht vergessen überhaupt zu atmen!

....denn Schlamperei im Atmen führt zur Anarchie in der Atmung und diese früher oder später zur Despotie der Atmennot.

2. Du sollst Dich nicht mit dem respiratorischen Existenzminimum begnügen!

...denn wie das soziale Existenzminimum fast stets zur Verarmung, so führt das respiratorische fast stets zur Erkrankung. Es sterben nicht so viele Menschen an Unterernährung wie an Unteratmung.

3. Du sollst stehts rechtzeitig atmen!

.... denn: nach getaner Arbeit ist gut zu ruhn, aber vor getaner Arbeit ist gut zu atmen, daher vor jeder körperlichen Leistung "Praenumerano-Atmung"!

4. Du sollst nicht erst atmen, wenn Du schon atemlos geworden bist!

.... denn Dein Herz muß für das büßen, was Du an der Atmung (auch zeitlich) gesündigt hast!

5. Du sollst vielmehr atmen, um nicht erst atemlos zu werden!

... denn "Atemnot", das sind die Luftschulden, recht kurzfristige, die die Lunge an den Körper hat. Das "Entschuldungsverfahren" geht zu lasten des Herzmuskels!

6. Du sollst stets genügend atmen!

.... der Nachfrage der körperlichen Leistung muß das Angebot an Atemluft entsprechen; es darf jedenfalls zu keiner passiven Sauerstoffbilanz kommen!

7. Du sollst stets richtig atmen!

8. Du sollst also stets nur mit den Atmungsorganen atmen!

... zu denen gehört von vorneherein der Mund nicht!

9. Du sollst prinzipiell nur durch die Nase atmen!

... den hierdurch wird die Atemluft auf die jeweils richtige Temperatur gebracht, sie wird entstaubt (filtriert), und enttrocknet (mit der nötigen Feuchtigkeit gesättigt). Ferner wird durch die Nasenatmung die Atemluft richtig dosiert und "crescendiert", es wird die schädliche "colpo d'aria" und die stoßweise Luftaufblähung der Lunge vermieden. Weiterhin ist bei der Nasenatmung, die gar nicht so selten vorkommende "Aerophagie" (Verschlucken von Atemluft durch die Speiseröhre in den Magen; bei den Pferden nennt man sie "Kopper") ausgeschlossen. Ferner ist zu bedenken, daß, wie die meisten Erkrankungen der Luftwege ihren Weg von oben nach unten - Rhinitis descendens "hinabgerutschter Schnupfen" - nehmen, so auch der Weg der Heilung meist in die gleiche Richtung - also von der zuerst geheilten Nase aus , nach unten fortschreitet. Ohne gesunde Nase kein gesunder Rachen, kein gesunder Kehlkopf und keine gesunden Bronchien!

10. Du sollst stets mit der Zwerchfell-Tiefatmung atmen!

... denn dem automatisch arbeitenden Perpetum mobile (wenigstens auf Lebensdauer!) des Herzens soll hierdurch das Zwerchfell als anfangs bewußt, bald dann auch automatisch funktionierendes Perpetum mobile zu Hilfe kommen und ihm einen erheblichenTeil der Arbeitskraft abnehmen. Der auf diese Weise mühelos frei werdenden Energie kommt der Hubkraft und Lebensdauer des Motors zugute!

Quelle: Stubenvoll, Friedrich-Beda: Heilung durch den Atem. Pneumopädie oder Unterweisung im richtigen Atmen für Kranke und Gesunde, Kommissionsverlag e. Thiel, Bad Reichenhall 1914 in: von Steinacker, Karoline: Luftsprünge. Anfänge der Körpertherapie. Urban und Fischer, 2000, S. 54

 

Die Atmung des Menschen - der Maschinenmensch

Maschinenmensch

Die mechanistische Weltsicht ... ergriff alle Lebensbereiche, natürlich auch die Medizin. ... Durch passive mechanische Beeinflussung versuchten erfindungsreiche Mediziner und Laien (ohne Ausnahme männlich) die Schwächen der Lunge zu beheben und den mangelhaften Gasaustausch zu verbessern. Die Sicht auf den Menschen war weniger an seiner Person ausgerichtet, als vielmehr am Funktionieren seiner Atemtechnik. Entsprechend der maschinellen Entwicklung in dieser Zeit verglich man den Menschen immer wieder mit einer Maschine.

Quelle: Karoline von Steinacker: Luftsprünge. Anfänge der Körpertherapie. Urban und Fischer, 2000, S. 47

 

 

 

Was ist der Atem?

von Berthi Fahr

Letztendlich ist der Atem ein Geheimnis!

Unser Leben beginnt mit dem ersten Atemnzug. Wenn wir die Entwicklung des Bewußtwerdens vollzogen haben, wird Atem zur Erfahrung - dann können wir den Anspruch erheben, zu sagen: "Ich atme!" Der Atem tritt als bewegung in Erscheining - im Einatmen schwingen die Körperwände in ein Weit-werden, im Ausatmen kommen sie wieder in ihre Ausgangsstellung zurück.

Die erste Ursache des Atems kommt von der Atmung.

Wir benötigen in unseren Zellen Sauerstoff für energetische Verbrennungsprozesse. Wir regulieren den Säure-Basen-haushalt, indem wir Kohlendioxyd, ein Abfallprodukt, ausscheiden. Die natur benötigt Kohlendioxyd, um aus Licht, dem Stoff der Erde und Wasser Chlorophyll zu bilden, den Grünstoff. Das grüne Blatt bildet Sauerstoff. Wir nehmen diesen Sauerstoff über die Atmung auf.

Dies ist unsere Verbindung zur vegetativen Natur der Erde.

Die Atembewegung ist vor dem Bewußtwerden des Menschen als eine durchschwingende Bewegung sichtbar und spürbar. Ein kleines Kind scheint sich wie im Wasser sicher zu bewegen - es ist getragen. Dieser Zustand ändert sich mit dem Bewußtwerden. Durch einseitige Einstellung des "Ich will" fließt der Atem nicht mehr frei! Das Muskelsystem wird entsprechend der Willensausrichtung nur noch teilweise ins Spiel gebracht. Durch Einseitigkeiten verkümmern sogar Gewebe.

Der Mensch baut sich aus den Kräften der Erde auf und wird von kosmischen Kräften belebt.

Erst durch die Begegnung mit dem Umfeld kommen diese beiden Ströme im Menschen zusammen und werden durch Erlebnis und Erfahrung individualisiert. Erst dann beginnen wir zu sagen: "Ich!". Wenn der Willenseinsatz überwiegt, ist das immer eine Einschränkung in Richtung universelle Kräfte. Diese stehen dann nicht im Vordergrund des Geschehens.

Wenn die Auseinadersetzung mit der Welt vollzogen wurde, ist eine Weiterentwicklung nur über die bewußte Verbindung zu den kosmischen Kräften möglich. Der Mensch muß selbst das Verhältnis zu den eigenen Kräften finden und ein Gleichgewicht zwischen Innen- und Außenwelt aufbauen. Erst dann sprechen wir von Persönlichkeit!

Frau Fahr ist Fachkrankenschwester für Anästhesie, Intensivpflege. Sie arbeitet unter anderem in der Lungenfachklinik Schillerhöhe in Gerlingen und leitete zwei Jahre lang den HNO-OP Bereich im Katharienhospital in Stuttgart. Nach 20 järiger Tätigkeit als Krankenschwester begann sie 1985 in einer dreijährigen Ganztagschulung die Atemtherapie nach Prof. Ilse Middendorf zu studieren.Ihr sind Fehlfunktionen des Kehlkopfes und der Stimmbänder aus Ihrer Praxis in der Klinik vertraut. Durch ihre Studien zu Atmung und Stimme und die Atemarbeit hat sie andere, der Medizin nur wenig vertraute, Zugänge zu den Ursachen und der Therapie dieses Krankheitsgeschehens gefunden.

 

Ein Leser schickte sein Lieblingszitat zum Thema Atmung:

J. W. v. Goethe (1819): West-östlicher Divan. Buch des Sängers. Talismane. (5. Absatz)

"Im Atemholen sind zweierlei Gnaden:
Die Luft einziehen, sich ihrer entladen;
Jenes bedrängt, dieses erfrischt;
So wunderbar ist das Leben gemischt.
Du danke Gott, wenn er dich preßt,
Und dank ihm, wenn er dich wieder entläßt."

 

Die folgende Geschichte stammt aus dem Buch "Die Heilkraft der Musik. Klänge für Körper und Seele." (S.152-154) von Don Campbell.

Die gregorianische Gesangsdiät

Eine der erstaunlichsten Heilungsgeschichten im Rahmen der Klang- und Musiktherapie ist der Fall der französischen Mönche. In den späten sechziger Jahren wurde Dr. Alfred Tomatis gebeten, die seltsame Kränklichkeit, die Mönche eines Benediktinerklosters in Südfrankreich befallen hatte, zu untersuchen. Kurz nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil ergriff die Brüder allgemeine Lustlosigkeit und Müdigkeit. Zwar waren die Mönche wegen einer Reihe theologischer Reformen, Ernährungsumstellungen und neuer Kleinarbeiten belastet, doch blieb die eigentliche Ursache für diese körperlichen Symptome unklar. Über ihren Gesundheitszustand hatten sich mehrere führende europäische Spezialisten den Kopf zerbrochen, nichts schien den ehrwürdigen Brüdern und ihrem Abt wieder die Lust am Alltag wecken zu können, die sie einst genossen hatten.

Nachdem Tomatis bei seiner Ankunft 70 von den 90 Möchen "in ihren Zellen wie schlaffe Säcke herumhängen" sah, stellte er seine Diagnose. Diese Verzweiflung, erklärte er, hatte keine physiologische, sondern eine audiologische Ursache. Der lustlose zustand der Möche lag daran, daß mehrere Stunden gregorianischer Gesang aus ihrem Alltag gestrichen worden waren.

Früher hatte sich die ganze Gemeinschaft acht- oder neunmal am tag versammelt, um 10 bis 20 Minuten lang zu singen. Die langen, widerhallenden Töne - besonders die glorreichen =oooos und ruhigen Iiiis in Gloria in excelsis Deo - wirkten entlastend und verbindend zugleich. Zuhörer hätte der gesang gelangweilt, aber die Möche hielten damit ihren Motor am laufen. Der Gesang verlangsamte ihre Atmung, senkte ihren Blutdruck und hob ihre Stimmung - und steigerte damit ihre Leistungsfähigkeit. Ihnen war der physiologische Nutzen ihres Gesangs unbewußt, aber offenbar hatten sie sich daran gewöhnt.

Tomatis riet dem Abt, er möge die Männer wieder auf eine gregorianische Gesangsdiät setztn. Dieser tat es, und der Erfolg stellte sich bald ein. Innerhalb von sechs Monaten hatten die Mönche keine gesundheitlichen Probleme mehr. Sie brauchten weniger Schlaf und machten sich mit Schwung wieder an ihre Arbeit.

Die Geschichte der Mönche die nicht mehr singen durften hat mich sehr beeindruckt. So ähnlich fühlte ich mich in der Zeit meiner Krankheit. Viele Dinge ob Sport und Bewegung, das Treffen mit Freunden in der Kneipe, Kinobesuche, Stadtbummel und was das Leben noch so angenehm macht, traute ich mich nicht mehr. Ich wurde zunehmend lethargisch, lustlos, deprimiert, nervös und verschlossen - ähnlich eben wie die Mönche.

 

Atem und Energie

von Margitta Müller

ATMEN geschieht immer. In jedem Moment. Bewusst oder unbewusst. ATEM erhält mich am Leben. Ohne ATEM kann ich in dieser Welt nicht leben. Wenn ich ATME fließt das Leben durch mich hindurch.
ATEM ist die ENERGIE des Lebens. Das große Leben, Gott, egal wie ich es nenne.

ATMEN geschieht auf körperlicher wie auf geistiger Ebene. Es ist die natürliche Verbindung zwischen Geist und Körper. Alles ATMET. Das Universum ATMET ein und aus. Die Erde ATMET. Jedes Tier, jede Zelle, jede Pflanze ATMET. ATMEN ist Pulsation. Vibration. ENERGIE.
Der ATEM ist der Königsweg zum Selbst.

Über den ATEM kann ich mich selbst erfahren. Mich selbst entfalten. Meine Daseinsfreude, die Kreativität, das Wohlbefinden stärken. Mich erinnern an Dinge, die in meinem Unterbewusstsein schlummern oder vergraben sind. Muster die meine Konditionierung ausmachen, die über meine Form zu ATMEN erkennbar sind. Lange vergessene und verlorene Gefühle, so wie alte unterdrückte Erinnerungen hochkommen lassen. Sie wahrnehmen, spüren, annehmen. Sie als einen Teil von mir anerkennen. Meinen Körper und meine Seele erforschen. Mich auf eine neue Art kennen lernen. Sein was ich bin. Mich in mich selbst verlieben. Mich selbst lieben.

ATMEN hat mit Spaß zu tun, mit Ausdehnen. Sich ins Leben verlieren. Sich einfach hingeben. Ohne Kontrolle, ohne Einengung. Die Selbstheilung des Körpers verstärken und unterstützen. Mich tief entspannen. Meine Muskeln entspannen. Mich in den ATEM entspannen. Mich in das Jetzt entspannen. Meine Verletzlichkeit, Zartheit und Offenheit zeigen. Das Herz öffnen und fühlen. Ja zum Leben sagen, das Leben in mich hineinlassen und mich darüber freuen.

ATMEN verstärkt meine ENERGIE. Ich bin ENERGIE. Ich dehne mich aus. Bin ohne Grenzen. Erkenne, dass ich grenzenlos bin. Das ich schon immer grenzenlos war. Das die Idee von Grenzen und Begrenzungen nur in meinem Verstand stattgefunden haben.

ATMEN ist die Lebensenergie die das Universum durchdringt und erweckt. Dieses neue Bewusstsein versetzt mich in die Lage, Lebens spendende Energien durch verschiedene Stellen meines Körpers zu schicken.

Was spendet meinen Organen und Systemen das Leben, der ATEM.
Das ATMEN ist eine ganz tiefe Erfahrung, wenn ich es bewusst wahrnehme.

 

Margitta Müller

Körper- und Atemtherapeutin, Sonderpädagogin
Künstlerin und Erwachsenenbildnerin

www.margittamueller.de