Beidseitige Recurrensparese nach Schilddrüsenoperation

Vor genau vier Jahren hatte ich eine Schilddrüsenoperation aufgrund der Diagnose: Struma nodosa mit kalten Knoten. Die behandelnden Ärzte befürworteten einstimmig eine Operation. Ihre Begründung: durch eine eventuelle weitere Ausdehnung der kalten Knoten könnte es durch einen zunehmenden Druck auf die Luftröhre zu Atemproblemen kommen, was man durch eine Operation vermeiden könnte. Ein Malignitätsverdacht lag nicht vor. Es handelte sich um eine “Routineoperation”.

Am Vortag der Operation fand ein so genanntes “Aufklärungsgespräch” statt, das meines Erachtens mehr zur Beruhigung dienen sollte, denn der “rückläufige Stimmbandnerv”, der Recurrensnerv, um den es hier geht, sei nur “bei außergewöhnlichen anatomischen Verhältnissen” gefährdet. Die Rede war davon, dass er für eine Zeit “beleidigt” sein könnte. Wie wichtig der Nervus recurrens für die Beweglichkeit der Stimmbänder und die Atmung ist, erfährt man jedoch erst, wenn er tatsächlich beschädigt wurde.

Seit es inzwischen mit der Methode des Neuromonitoring möglich geworden ist, diesen Nerven während der Operation genau zu lokalisieren und seine Funktionstüchtigkeit ständig zu überwachen, wird allmählich klar, wie viel Glück die Patienten bisher ohne diese Methode hatten, die mit einem unversehrten Stimmbandnerv davon kamen. Ohne dass der Operateur es merkt, kann der Nerv ohne die neue Methode eingequetscht oder im schlimmsten Fall sogar durchschnitten werden. Selbst wenn Sie nach der Operation noch ein heiseres Wörtchen wie z.B. “Ananas” hervorbringen, gilt das als erfolgreiche “Phonation” und somit als Zeichen einer gelungenen Operation. Die ist auf jeden Fall gelungen, denn Ihre vergrößerte Schilddrüse sind Sie ja los.

Veränderungen unmittelbar nach der Operation: Das Schlucken war etwas mühsam, mit der Stimme kam nur ein heiseres leises Krächzen hervor, aber dass der Atem für die wenigen Stufen im Treppenhaus nicht mehr ausreichte, merkte ich erst beim ersten Rundgang und war darüber sehr verwundert. Ich hielt mich eben noch für etwas schwach, wie es ja nach einer Operation der Fall sein kann. Daher blieb ich noch zwei Tage länger im Krankenhaus. Das Ergebnis der Überprüfung durch den HNO-Arzt war jedoch eindeutig: Diagnose: beidseitige Recurrensparese.

Es dauert eine ganze Weile, bis man merkt, was damit alles verbunden ist. Der Kommentar des Chirurgen zu dieser Diagnose “Das kann doch gar nicht nicht sein !” verunsicherte mich ziemlich. Wer von den beiden hatte denn recht ? Ein ganzes Jahr glaubte ich ganz fest, dass der “beleidigte Nerv” sich wieder mit mir aussöhnen und wieder wachsen würde. Aber nach einem Jahr geben die Ärzte die Hoffnung auf und nennen es “schicksalshaft”. Für mich waren inzwischen folgende Veränderungen eingetreten:

Es gibt Möglichkeiten, den Abstand zwischen den Stimmlippen zu vergrößern (Lateralisierung, Lasern). Dies kann jedoch auf Kosten der Stimme gehen, und die ist mir in meinem Leben sehr wichtig. Ich habe durch diese Beeinträchtigung aber auch vieles kennen gelernt, was gut tut, und überhaupt, was Stimme und Atem für das Leben bedeuten, und dass es durchaus Mittel und Wege gibt, damit positiv umzugehen: Atemtherapie, Yoga, Ci Gong, Tai Ci, Shiatsu, Feldenkrais, Musik und Klang, um die wohltuende Wirkung zu spüren, wenn Atem und Bewegung übereinstimmen.

Ich würde gerne Menschen kennenlernen, denen es ähnlich geht und mit ihnen darüber Erfahrungen austauschen. Gabriele