Die psychosozialen Folgen eines Stimmritzenkrampfes
Vor einigen Tagen haben wir von Ihrer VCD-Selbsthilfeinitiative erfahren.
Leider hat mein Mann bereits einen acht Jahre langen Leidensweg hinter sich. Vor vier Jahren mußte er aufgrund seiner Beschwerden seinen Beruf, der für ihn alles bedeutete (er war Grundschullehrer) frühzeitig mit 57 Jahren aufgeben. Danach wurden die Beschwerden immer ärger. Inzwischen sind wir total isoliert.
Keine Veranstaltungen, Besuche, Ausflüge Urlaube usw. Mein Mann hatte sehr viele Hobbies, die er mit großem Eifer betrieb. (Radfahren, Bergwandern, Chorsingen, Musizieren, Heimwerken und viels mehr). Nichts davon übt er noch aus. Das ganze Tun und Denken dreht sich nur um Luft bekommen und schlucken können. Inzwischen ist er nur noch ein Wrack, von 65 kg auf 50 kg abgemagert, die Muskel total verkümmert.
Begonnen hat sein Leiden mit gelegentlicher Atemnot. Besonders arg wurde es dann immer, wenn er zur Ruhe kam, z.B. beim Fernsehen. Auch hatte er ständig ein Engegefühl im Hals und mußte fortwährend räuspern. Dazu kamen dann die Probleme beim Essen. Besonders bei flüssigen Speisen muß er würgen und husten. Das Essen ist jeden Tag eine lange und anstrengende Angelegenheit.
Aber besonders schlimm sind die Atemnotattacken. Nächtelang war an Schlaf nicht zu denken und ständig diese Angst vor dem Ersticken. Wir wurden schon von etlichen Notaufnahmen von Krankenhäusern, die wir in unserer Verzweiflung aufgesucht hatten, einfach wieder heimgeschickt, weil es ja "nur" psychisch ist. Mit unserer Not und Verzweiflung mußten wir alleine fertig werden.
Vor ca. drei Monaten hatte mein Mann wieder die ganze Nacht und den darauffolgenden Tag unentwegt diese furchterregenden Erstickungsanfälle. So fuhren wir diesmal in das Krankenhaus St. P. Dort kamen wir Gott sei Dank zu einem Arzt, der sich endlich einmal ausführlich mit dem Problem befaßte. Es wurde das erste Mal die Diagnose Stimmritzenkrampf gestellt. Der Arzt war ganz erstaunt und meinte, daß er so etwas noch nicht gesehen hätte.
Da man annimmt, daß dies psychisch bedingt ist, wird mein Mann wieder mit Psychopharmaka behandelt, was auch nicht wirklich hilft. Mein Mann bekam die letzten Jahre schon Unmengen verschiedener Psychopillen. Er ist dann entweder ruhiggestellt, oder er versucht die Medikamente zu reduzieren und er bekommt wieder Anfälle. Es muß doch noch andere Wege geben als diese Gifte, die den Menschen noch mehr zerstören. (für die Ärzte sicher der einfachste Weg). Durch diese trostlose und angespannte Situation geht es auch mir oft schlecht und auch ich habe schon jede Freude verloren.
Nun möchte ich Ihnen noch die bisherigen erfolglosen
Behandlungen schreiben:
Am Anfang jede Menge Untersuchungen in der Uniklinik
in Wien, Lungenfacharzt, HNO-Arzt (einige Male), Magenspiegelung, Muskelbiopsie
(alles ohne Befund),
Biofeedback, Homöopathie, Kinesiologie, Akupunkturmassage,
Jiatsu.
1999: Sechs Wochen Aufenthalt im Krankenhaus für
Psychosomatik (anschließend ganz arge Beschwerden)
2001: Neun Wochen Aufenthalt im AKH Wien. Verhaltenstherapie
(wieder Verschlechterung)
Vier Jahre Psychotherapie
2002: Gebißsanierung
Zwei Kuraufenthalte
Abschließend möchte ich noch sagen, daß wir uns mit dieser Krankheit sehr alleingelassen und hilflos fühlen.