VCD- die Spätfolgen der Basedow-Krankheit und der Operation?!?

von Magdalene F.


Mit 16 Jahren erkrankte ich an Morbus Basedow und musste an der Schilddrüse operiert werden. Da es sich um eine volumenmäßig starke Halsvergrößerung handelte und auch das Herz schon angegriffen war, war es keine leichte Operation.

Erst bei der Abschlussuntersuchung wurde festgestellt, dass durch die Operation eine linke Stimmbandlähmung bestand. Die wurde dann langfristig behandelt und zurzeit funktioniert das linke Stimmband (teilweise eingeschränkt) wieder.


24 Jahre nach der Operation (ich bin jetzt 46) hatte ich einen starken allergischen Husten (ich bin Pollenallergikerin und reagiere auch ganz besonders stark auf Lösungsmittel), der mehrere Wo-chen dauerte. Nach drei Wochen Husten erlitt ich nachts aus dem Tiefschlaf einen subjektiv empfundenen Erstickungsanfall. Meinem Hausarzt, den ich dann morgens anrief, erklärte ich, ich wisse zwar nicht, was ein Stimmbandkrampf sei, aber wenn ich mir so einen vorstellen würde, dann wäre das so, wie es nachts abgelaufen wäre.


Als Folge wurde ich noch am selben Tag in die HNO-Uni-Klinik Münster eingewiesen, um den Erstickungsanfall abzuklären. Ich informierte die Ärzte nachdrücklich über die Stimmband-Vorerkrankung. Auch in der HNO erlitt ich nachts mehrere Erstickungsanfälle, die so stark wa-ren, dass ich aus dem Tiefschlaf kommend nicht einmal mehr klingeln konnte. Nach den Anfäl-len wurde der Hals untersucht, aber es wurde nichts festgestellt (im Nachhinein logisch, der Krampf war vorbei und die Luftzufuhr wieder ungehindert möglich). Morgens erklärte man mir dann, da im Hals nichts festzustellen sei, würde man mich in die Psychiatrie überweisen.

Mir war klar, dass dies mein Problem nicht lösen wurde und habe mich dann aus dem Kranken-haus auf eigene Verantwortung entlassen, und wurde dann im Marienhospital Osnabrück stationär aufgenommen. Dort verließ man sich zunächst auf die Ergebnisse der UNI-Klinik und untersuchte viele andere Möglichkeiten (Magen, Lunge, Bronchien etc.), doch auch dies brachte keine Befunde. Da die Anfälle sich verstärkten, wurde ich dann auf die Intensivstation verlegt, und auch dort hatte ich einen schweren Anfall. Mittlerweile war mir aufgefallen, dass ich den Anfall auch provozieren konnte: Wenn ich den Kopf nach links drehte und anfangen wollte zu reden, kam es zu einem Erstickungsanfall, so dass mir klar war, dass die Ursache definitiv nicht psychisch sein konnte.

Als alle andren Untersuchungen nichts ergaben, wurde ich dann auch im Marienhospital in der HNO-Abteilung dem Prof. Bernd Christoph vorgestellt. Dieser hörte sich die Krankengeschichte an, studierte die Befunde, untersuchte mich und sagte dann ganz ruhig, er wisse, was ich habe. In seiner Praxis habe er 2-3 Fälle mit ähnlicher Symptomatik gehabt und er könne mich beruhigen, dass es sich um eine paradoxe Stimmbandfehlfunktionsstörung handele und ich daran nicht ersti-cken, wohl aber ohnmächtig werden könne. Ich glaube, meine Erleichterung kann jeder Betrof-fene nachempfinden, der starke Anfälle mit kurzzeitiger Bewusstlosigkeit durchmachen musste!

Kurzzeitig habe ich danach eine logopädische Behandlung erhalten und hatte dann auch 6 Jahre lang keinen Anfall.

Nachdem ich erfahren habe, welche Leidensgeschichten andere Erkrankte hinter sich haben, bin ich dem Professor heute noch sehr dankbar, weil ich in den letzten Jahren zwar „stimmband-schonend“, aber ohne Erstickungspanik gelebt habe.


Im Frühjahr 2005 bin ich wieder / immer noch an Morbus Basedow erkrankt und musste eine Radiojodtherapie hier in der Uniklinik Münster machen.


Vor 2 Wochen erlitt ich dann eine Stimmbandreizung (Ursache war vermutlich die zu stark eingestellt Klimaanlage während einer längeren Autofahrt) mit starkem Husten, in deren Verlauf es dann wieder nachts aus dem Tiefschlaf zu einem Erstickungsanfall kam. Leider war die Luftnot diesmal nach dem Krampf nicht beendet, erst Cortison brachte dann Hilfe. Ohne mein Wissen, dass ich eigentlich nicht ersticken könne, hätte ich in diesem Notfall nicht so „ruhig“ bleiben können und mir mit Cortison selber helfen können. Mittlerweile habe ich auch ein Akut-Cortisonspray.


Bevor es zu dem letzten Anfall kam, hatte ich schon Nächte vorher immer wieder das Gefühl, dass sich der Hals zusammenzieht und es zu Luftnot kommt. Ich stellte fest, dass es half, in solchen Momenten kaltes Wasser zu trinken und habe das dann auch in der Nacht stündlich getan.

Nach der letzten Attacke bin ich dann im Internet auf die Homepage www.vcd-selbsthilfe.de gestoßen. Ich wusste zwar, dass so eine Symptomatik nicht sehr häufig ist, aber es war für mich sehr interessant, dass bei Betroffenen die Erstickungsanfälle nach einem ähnlichen Schema ab-laufen und wir uns hier in diesem Forum sicher auch Erfahrungstipps geben können. Gleichzeitig ist mir, wie gesagt, auch klar geworden, wie viel Glück ich mit einer so guten und kompetenten Diagnose gehabt habe. Aber vielleicht hilft mein Erfahrungsbericht auch anderen Betroffenen, mit dieser Erkrankung umzugehen.

 

Krankheitsbild Morbus Basedow

Die Basedow-Krankheit (beschrieben von dem Arzt Karl Adolf von Basedow) gehört zu den sog. "Autoimmunerkrankungen" (auto (gr.)= selbst, immun (lat.)= unempfindlich, hier: die Abwehr betreffend), welche dadurch gekennzeichnet sind, daß sich bestimmte Stoffe des Abwehrsystems gegen körpereigene Bestandteile richten und diese verän-dern oder zerstören.

Im Falle der Basedow-Krankheit entstehen sog. "Auto-Antikörper" (anti (lat.)= gegen) gegen bestimmte Oberflächenstrukturen von Schilddrüsenzellen (TSH-Rezeptoren), die diese zu einer vermehrten Produktion von Hormonen veranlas-sen, was wiederum häufig zu einer Schilddrüsenvergrößerung und -überfunktion führt (Struma, Hyperthyreose). Weiterhin können sich diese Antikörper auch gegen andere Körperstrukturen richten, wobei hier meist die kleinen Augenmuskeln und deren Binde-gewebe betroffen sind und seltener die vordere Schienbeinmuskulatur.

Aufgrund einer nachträglichen Einwanderung bestimmter Abwehrzellen (Lymphozyten) kommt es zu einer Schwellung der betroffenen Gebiete. An den Augenmuskeln kann dies u.a. zum sichtbaren Hervortreten des Augapfels führen (endokrine Orbitopathie) und am Unter-schenkel zu einer Verdickung der Vorderseite (prätibiales Myxödem). Während des Krankheitsprozesses kann es zu einem fortschreitenden Hervortreten der Augäpfel aus ihren Höhlen, zu verstärktem Tränenfluß, zu Rötung und Brennen, zu starrem Blick und zum Sehen von Doppelbildern kommen.


Die Überfunktion der Schilddrüse geht häufig mit folgenden Symptomen einher: schnellerer Herzschlag (Tachykardie), vermehrtes Schwitzen, Haarausfall, innere Unruhe, Schlaflosigkeit, Gewichtsabnahme trotz ausreichenden Essens, Fingerzittern. Es erkranken etwa 2-3 Personen von 100 an einer Basedow-Krankheit. Sie kann in jedem Lebensalter auftreten, wobei Frauen fünfmal häufiger betroffen sind als Männer.

Quelle: http://www.medizin-netz.de/icenter/basedow.htm